Ernst Lübbert -Leben und Werk
Ernst Lübbert wird am 26. Juli 1879 in Warin geboren. Sein Vater ist Johann Leonhard Christoph Lübbert, seine Mutter Franziska, geborene Schäfer. Der Vater ist Amtsdiätar in Warin; er verrichtet Arbeiten gegen tageweise Bezahlung. Zwei weitere Söhne werden der Familie geboren: Hermann (1881-1952) und Willi (1885-1891). Die Familie zieht 1886 nach Stavenhagen, als der Vater dort eine Stellung als Amtsprotokollist erhält.

"Mein 16jähriger Sohn Ernst […] hat seit Jahren viele Beweise geliefert, daß er ein ungewöhnliches Talent zum Zeichnen und Malen besitzt. Da er von seiner Neigung zur Kunst, die ja größten Theils über Dornen geht und selten Brot hält, nicht abzubringen, so habe ich in Erwägung gezogen, ob ich nicht bei meinen geringen Mitteln auf Stipendien von der hohen Regierung rechnen könne […] und wie groß etwa das zu erwartende Stipendium sich bemessen würde[…]"
Der
Großherzog von Mecklenburg-Schwerin lehnt das Gesuch des Vaters ab mit der
Begründung,"...dass es sich hinfort nicht mehr darum handeln soll, jungen
Leuten, welche glauben Talent zu besitzen, die Mittel zu bieten, eine
künstlerischen Laufbahn zu beginnen, sondern darum, jungen Künstlern, welche
bereits genügende Proben ihres Talents abgelegt haben und dadurch zu der Annahme
berechtigen, dass sie wirkliche Künstler sind, in ihrer Laufbahn fortzuhelfen."
(Friedrich Franz aus Biarritz an sein Ministerium am 31.5.1890)
Die
Boldt’sche Stiftung wurde am 3. März 1862 in Schwerin gegründet. Die
Oberlandforstmeisterin Julie Eggers, geborene Boldt, hatte ihr Vermögen zur
Förderung junger Maler gestiftet, da sie selbst „die Kunst geliebt und als
Dilettantin ausgeübt“ habe, und „da
es in Mecklenburg an Mitteln zur wirksamen Förderung der Ausbildung junger
Künstler fehlt [...].“
Am 12.
März bestätigt der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Friedrich Franz, die
Stiftung, auf das Ersuchen des bevollmächtigten Advokaten Hobein hin, der
übrigens ein Bekannter von Fritz Reuter war.
Aus dem Statut der Boldt’schen Stiftung: "[...] Aus den Aufkünften dieses Kapitals soll ein [...] Stipendium für jungen Maler, welche geborene Mecklenburger sind, sich der Kunst als Maler widmen und einen sittlichen Lebenswandel führen, in der Art verwendet werden, dass der junge Künstler diesen Betrag zum Besuch einer Kunstakademie oder ähnlichen Anstalt in Deutschland oder auch im Ausland für den Zeitraum von 3 Jahren [...] erhält. In Fällen besonderer Eignung soll es dem Kuratorium auch gestattet sein, das Stipendium für ein viertes Jahr zu gewähren."
„Auf Grund seiner Leistungen wurden ihm dauernd Stipendien gewährt, auch der
frühere Großherzog von Mecklenburg stellte seinem Landeskinde Mittel aus seiner
Schatulle zur Verfügung, um dem jungen Meisterschüler die richtigen Wege zu
ebnen und keinen Schatten auf seinen Sonnenpfad fallen zu lassen.“
(Artur Brehmer: "Dem liebenswürdigen mecklenburgischen Künstler Ernst Lübbert",
Stiller, Schwerin 1927)
1903 – 1904 dient er sein einjährig-freiwilliges Jahr in Wismar und wird mit der Befähigung zum Offizier entlassen. Zeitzeugen berichten, dass er bei Feierlichkeiten, so bei der Feier des Geburtstages des Kaisers, als Schnellzeichner und Schnellbildhauer auf sich aufmerksam macht. Weitere Belege hierfür finden sich bisher nicht.
Nach
Beendigung der Militärzeit kehrt Lübbert 1904 nach Berlin zurück. Er arbeitet
als freischaffender Künstler, ist Reklamezeichner und Karikaturist. Sein
Broterwerb – das weist seine Verbindung zum Reklame-Verlag
Ernst Marx aus - ist die Werbung; einige Plakate aus der
Werkstatt sind im
Besitz
des Deutschen Historischen Museums.

Weiße Ostern, Ölgemälde (Kriegsverlust)
Ab 1909 nachweisbar werden Lübberts Bilder auf Kunstausstellungen in Hamburg und Berlin gezeigt. 1909: Nr. 1020 „Atelierbesuch“
1911: Nr. 2152 „Der verkannte Dichter“
1912: Nr. 408 „Auf der Anhöhe“, Nr. 1865 „Gewonnen“,
Nr. 2251 „Auf der Hochzeitsreise“
1913: Nr. 1600 „Dorfpolitiker“
1914: Nr. 271 „Karneval“, Nr. 1245 „Doppelporträt“
Nr. 1822 „Im gefährlichen Alter“, Nr. 1823 „Kritik“
1915: Nr. 344 „Auf Posten in Polen am Ostersonntag 1915“,
Nr. 345 „Der
Mensch in Nöten lernt wieder beten“

Der
Ausdruck „Das gefährliche Alter“ wurde populär durch das 1910 erschienene und
damals
vielgelesene Buch der dänischen Autorin Karin Michaëlis ("Den farlige alder").
Lübbert wird am 2. August 1914 einberufen. An demselben Tag heiratet er seine langjährige Freundin Hedwig Techel.


Er zieht in den Krieg mit großen patriotischen Gefühlen.
Im
Oktober desselben Jahres schreibt Lübbert aus dem Fort Gneisenau bei Königsberg,
er sitze
"seit Wochen unter der Erde in feuchten, dunklen Kellern als
Fortbesatzung… Nur der Humor und ein leichter Sinn helfen am besten über alle
Unbill des Krieges hinweg.“
Im
Morgengrauen des 29. August 1915 – bei einem Sturmangriff auf Lipsk bei Grodno
am Njemen – trifft
den Kompanieführer Leutnant Lübbert ein tödlicher Bauchschuss. Er stirbt im
Alter von sechsunddreißig Jahren.